13.07.08
Pausentag für meine Freundin. Also machten Sebastian
und ich uns mit der Enduro auf den Weg, die Gegend an der Nordostküste
von Lesbos zu erkunden. Ab den heißen Quellen von Eftalou endete
der Asphalt und bis Skala Sikamineas sollte dann der zu befahrende Untergrund
aus festem Schotter mit faustgroßen Steinen bestehen. Für
eine Enduro stellte das natürlich kein Problem dar, Roller ohne
profilstarke Bereifung sollten die Strecke aber lieber meiden. Mit direktem
Blick auf das türkische Festland schlängelte sich die Piste
kurvenreich oberhalb der Küstenlinie entlang. Immer wieder entdeckte
man unterhalb neue kleine menschenleere Kieselbuchten und fuhr an einsamen
Häusern von Schafhirten vorbei. Bei einer Mini-Kapelle legten wir
einen Schatten- und Trinkstopp ein, denn über 30 Grad im Schatten
machten ganz schön durstig. Die obligatorische Wasserflasche (Kunststoff)
hatten wir sowieso immer dabei. Tipp für alle, die gerne etwas
Kühles trinken: Wasser vorher einfrieren; während der Fahrt
taut es langsam wieder auf und man hat immer genug gekühlte Flüssigkeit.
Hält auf jeden Fall länger kalt, als irgendwelche Alutaschen.

Außer uns hatte sich so gut wie keine Menschenseele in diese einsame
Ecke von Lesbos verirrt, deshalb waren wir um so erstaunter, als wir
vielleicht zwei Kilometer vor Skala Sikamineas plötzlich versteckt
zwischen Bäumen eine Taverne mit einigen Gästen entdeckten.
Nachdem der Asphalt wieder begonnen hatte lag schließlich der
Hafen von Skala Sikamineas vor uns. Der erste Eindruck
war sehr einladend. Zahlreiche Tavernen lagen rund um das Hafenbecken
und waren um diese Uhrzeit sehr gut besucht. Kaum ein Platz war noch
frei und etliche große Fischplatten standen auf den Tischen. Skala
Sikamineas war bekannt für seine besonders guten Fischgerichte.
Wir suchten uns aber eine am Hafeneingang gelegene Taverne, in der es
neben Getränken auch kleine Snacks und Sandwiches gab. Mit schönem
Blick auf die im Hafen festgemachten Fischerboote und die kleine Hafenkapelle
genossen wir die sommerliche Urlaubatmosphäre. Ein wirklich netter
kleiner Hafenort. Als wir uns genug gestärkt hatten, schlenderten
wir noch durch die kleinen Gässchen hinter dem Hafenbereich. Hier
gab es nur noch ein paar Wohnhäuser und es wirkte plötzlich
alles wieder total verschlafen. Kein Mensch begegnete uns. Scheinbar
spielte sich das ganze Leben nur am Hafen ab.
Vorbei an dem oberhalb am Hang klebenden Hauptort Sikamineas ging es
dann über eine gute Asphaltstrasse wieder Richtung Petra. Immer
wieder zwang uns der tolle Ausblick dieser Panoramastrecke zum Anhalten.
Zuerst konnte man den Blick über die Küste von Skala Sikamineas
bis hin nach Eftalou und über das Meer auf das türkische Festland
schweifen lassen. Ein paar Kilometer später bot sich die Aussicht
auf die nördliche Küstelinie von Petra bis Molivos. Ein toller
Anblick. Nicht so schön war zwischendurch mal der Anblick
eines
Areals von verkohlten Olivenbäumen. Hier hatte wohl mal ein Brand
gewütet. Deshalb auch noch mal von uns die Bitte: werft nicht unachtsam
Zigarettenkippen oder irgendwelche Flaschen (können wie ein Brennglas
wirken) in die Umgebung; dies kann, abgesehen von der Umweltverschmutzung,
unwiederbringlich die Natur und menschliche Existenzen zerstören!
Kaum wieder im Hotel Amfitriti in Molivos angekommen, sprangen Sebastian
und ich erst mal in den Pool, um uns abzukühlen, bevor wir uns
zusammen mit meiner Freundin auf den Weg zum Abendessen im Olive
Press aufmachten. Wieder stand der Chef des Hauses mit seinem
Ouzo-Faß vor der Taverne und bot uns den griechischen Anisschnaps
und einen Tisch an. Nach einem fröhlichen „jammas“
folgten wir diesmal seiner „Lockung“. Wir hatten uns eh
vorgenommen, heute dort zu essen. Direkt oberhalb des schmalen Kieselstrandes
mit herrlichem Blick auf das Meer und den Hafen von Molivos wurde uns
ein sehr leckeres Essen mit großen Portionen serviert. Der etwas
höhere Preis war durchaus gerechtfertigt! Hier sollten wir noch
öfter hingehen, denn nicht nur das Essen war super, sondern auch
die Stimmung des Personals. Bei langsam im Meer versinkender blutroter
Sonne und einer Flasche rotem Imiglikos genossen wir das Ende dieses
Tages in der Taverne.
14.07.08
Heute wollten wir nach Petra fahren
und unter anderem das Hotel Aegean View suchen, da Bekannte, die wir
über unser Forum kennengelernt hatten, zwei Monate später
dort ihren Urlaub verbringen sollten.
Vorher mussten wir aber noch mal zur Post Reisecheques tauschen, da
die Post in Molivos bekannterweise nur bis 14:00 Uhr geöffnet hatte
und das Wochenende hinter uns lag. Schließlich „sattelten“
wir aber unsere Bikes und machten uns auf nach Petra, um dort der Küstenstraße
parallel zum Strand zu folgen. Wenige hundert Meter, nachdem wir auf
die Hauptstrasse Richtung Anaxos gestoßen waren, kam kurz hinter
einer neu gebauten Tankstelle der Abzweig zum Hotel Aegean View.
Am Ende einer ruhigen Sackgasse lag das terrassenförmig gebaute
Hotel mit Pool und schönem Blick über Petra und weit über
das Meer bis nach Molivos mit seiner Burg. (Hinweis: Fragen speziell
zu diesem Hotel werden gerne in unserem Lesbos-Forum beantwortet).
Eine tolle Lage für ein Hotel, nur zu Fuß brauchte man, wie
wir später erfuhren, ca. 20 Minuten bis ins Zentrum von Petra.
Genau dort sollte jetzt auch unser nächstes Ziel sein, das
Wahrzeichen von Petra, der 35 Meter hohe Kirchenfelsen. Von
der Strandstraße aus die richtige Gasse zu finden, die zum Felsen
führte, war gar nicht so einfach, denn alles war sehr verwinkelt
und teilweise mit merkwürdigen Verkehrsschildern gespickt. Schließlich
fanden wir auf Höhe des Blue Sky Hotels die richtige Zufahrt. Über
ca. 114 Stufen stiegen wir hoch zur Kirche. Währenddessen kamen
uns andere Urlauber entgegen, die wohl das Hinweisschild am Anfang der
Treppe nicht gelesen hatten; ein kurzer Rock und nackte Schultern sind
beim Besuch von Kirchen in Griechenland nicht gern gesehen. Dies sollte
man immer mit berücksichtigen, wenn man plant, eine Kirche zu besuchen.
– Der Aufstieg hatte sich trotz der Mühen bei über 30
Grad im Schatten gelohnt. Wir wurden mit einem netten Blick über
die Dächer von Petra und das Hinterland belohnt. Durch ein Tor
in der wehrhaften
Mauer gelangte man in den Innenbereich mit der üppig geschmückten
Marienkirche Panagia Glykofilousa.
Während des Abstiegs machte sich bei uns der Hunger breit und so
schlenderten wir durch die Gässchen auf der Suche nach einer netten
Taverne. Erstaunlicherweise hatten einige Tavernen um die Mittagszeit
geschlossen. Erst als wir wieder weiter Richtung Meer gingen, entdeckten
wir eine urige Taverne, die geöffnet hatte. Unter einem Schatten
spendenden Blätterdach stärkten wir uns, bevor wir die parallel
zur Strandstraße verlaufende Geschäftsmeile besuchten. Hier
fand sich ein vielfältiges Angebot: Mini-Märkte, zahlreiche
Ouzo-Geschäfte, Läden mit Hüten und Taschen (vielfach
Plagiate namhafter Firmen), Tavernen und vieles mehr. Wir konnten uns
jetzt schon vorstellen, was hier nach Sonnenuntergang los sein würde.
Aber dazu später mehr. Wir hatten jetzt Lust, ein Bad im Meer zu
nehmen. Der Strand von Petra sah recht einladend aus:
wenig Steine im Wasser (für Lesbos recht selten) und ein langer
Sandstrand. Einziger Nachteil war, dass die Straße direkt dahinter
verlief. Nach einer Abkühlung in den Fluten der Ägäis
und einer Fußsohlenmassage bei einem Strandspaziergang am Wasser
entlang (ganz feine Kiesel), fuhren wir zurück nach Molivos, um
in unserer neuen Lieblingstaverne des Olive Press zu Abend zu essen.
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