Reisebericht KORFU (ionisches Meer)
Hinweis: da der Reisebericht recht
lang geworden ist, wurde er in Unterkapitel aufgeteilt, die direkt
angesprungen werden können! |
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Kapitel 1: Ankunft auf Korfu (Acharavi,
Hotel Panos) Kapitel 2: Acharavi (Lemon-Garden), Rhoda Sunriders Kapitel 3: Sidari, Longa Beach, Cap Drastis Kapitel 4: Acharavi, Almyros Beach, Kassiopi Kapitel 5: Sidari (Canal d' Amour), Avliotes, Ag. Stephanos, Arila Kapitel 6: Paleo Perithia, Kassiopi, Acharavi (Sun Set Taverne) |
Kapitel 7: Acharavi (Hotel Panos,
Sun Set Taverne) Kapitel 8: Angelokastro, Paleokastritsa Kapitel 9: Cap Drastis, Pantokrator Gipfel Kapitel 10: Achilleion, Moni Vlacherna, Kerkyra (Korfu-Stadt) Kapitel 11: Kerkyra, Pelekas (Glifada Beach, Kaiser's Throne) Kapitel 12: Almyros Beach, Rhoda, Abreise |
Kapitel 10:
24.07.07:
Unser Ausflug nach Kerkyra (Korfu-Stadt) und zum Achillion. Als wir gegen
11:00 Uhr das am Tag zuvor bestellte Auto abholten zeigte das Thermometer
bereits 37 Grad. Es sollte ein heißer Tag werden. Meine Freundin und
die Kids fuhren im Auto und ich mit der Enduro hinterher. Wann konnte man
in Deutschland schon mal bei so einem tollen Wetter Motorrad fahren. Das musste
ich einfach ausnutzen. Die Straße schlängelte sich die Küste
entlang. Eigentlich ein tolles Revier für Biker, aber der rutschige Asphalt
auf Korfus Straßen war sehr mit Vorsicht zu genießen (keine Beimischung
von aufrauendem Granulat!). Starke Schräglagen sollte man mit dem Zweirad
tunlichst vermeiden! Zwischen Pirgi und Ipsos kamen wir durch einen Küstenort,
in dem sich Bar an Disco und Disco an Bar reihte. War hier der Ballermann
von Korfu? Nichts wie weg hier. Plötzlich hörten wir wieder Feuerwehrsirenen
und entdeckten Rauch im Hinterland. Hoffentlich konnten die Feuerwehren den
Waldbrand wieder schnell unter Kontrolle bringen.
Mittlerweile hatte sich die Luft so erwärmt, dass ich bei der Weiterfahrt
auf meinem Motorrad keine Abkühlung durch den Fahrtwind mehr bekam.
Mich beschlich eher der Eindruck, gegen den Luftstrom eines eingeschalteten
Föns zu fahren. Kurz vor Kerkyra wurde die Straße breit und 4-spurig.
Vorbei an einem Lidl-Markt (die gibt es wohl überall) wuselteten wir
uns durch den Trubel der Stadt, immer wieder auf der Suche nach eindeutigen
Straßenschildern zum Achilleion. Dies sollte unser erstes Ziel werden,
da wir es vermeiden wollten, uns in der größten Hitze des Tages
durch die Gassen der Hauptstadt von Korfu zu quälen. Ein zufällig
entdecktes Thermometer zeigte nämlich inzwischen 42 Grad im Schatten
an. Mit etwas Glück und auch Fahren nach Gefühl erreichten wir über
Kanali schließlich das Achilleion, das von 1890-1892 im Auftrag der
lungenkranken Kaiserin Elisabeth I. von Österreich, kurz Sissi, erbaut
worden war. Seinen Namen hat das Achilleion von dem griechischen Halbgott
Achilles, dessen Mut und Kraft sie verehrte. Nach einer willkommenen Abkühlung
der Beine durch einen Wasserschlauch und Begleichung des Eintrittspreises
in Höhe von 21€ (Familienpreis ohne Führung, Details siehe
Kostenübersicht) ließ man uns auf das Grundstück des Achilleions.
Ein auch heute noch in hellem Weiß erstrahlender Prachtbau mit Säulenportal
präsentierte sich uns. Im Inneren war leider nur das größtenteils
klimatisierte Erdgeschoss zu betreten, in dem sich die Wohnräume und
das Schlafzimmer der österreichischen Kaiserin befanden. Ein abgesperrter
aber pompöser Treppenaufgang führte in das darüber liegenden
Stockwerk. Ab 1962 war es eine Zeit lang zu einem Spielkasino umgebaut, das
auch mal als Kulisse für den James-Bond Film „In tödlicher
Mission“ diente (mehr zur Geschichte bei Wikipedia).
Nach der Besichtigung der Achilleions wandelten wir auf Sissis Spuren durch
die große und schöne Gartenanlage mit Schatten spendenden Bäumen
und verschiedenen Statuen. Natürlich fehlte auch Achilles nicht (im vorderen
Bereich des Gartens sterbend dargestellt, im hinteren Bereich in Siegerpose).
Von hier aus hatte man auch einen freien Blick auf Kerkyra und den Flughafen.
Insgesamt gesehen hatte sich der Besuch aber trotz des recht hohen Eintrittspreises
gelohnt.
Mittlerweile waren wir wieder gut durchgewärmt von den 42 Grad Lufttemperatur
und sehnten uns nach einer Erfrischung im Meer. Auf der Suche nach einer Badebucht
fuhren wir Richtung Kanoni und landeten schließlich an einem sehr schmalen
Strand bei Agios Sosipater. Nicht schön (steinig und überlaufen),
aber es reichte für eine kurze Abkühlung, bevor wir uns unter großen
Platanen
in einer Taverne mit gemütlichen Sesseln und Blick auf die neue Burg
von Kerkyra niederließen. Die Preise hier waren gar nicht günstig
und so gönnten wir uns nur Getränke, Sandwiches und heimlich, aus
einer unter dem Tisch abgestellten Tüte, frische knackige Kirschen, die
wir zuvor von einer fahrenden Händlerin am Straßenrand gekauft
hatten. Zur Entschuldigung: wir mussten auch soo lange auf die mickrigen Sandwiches
warten ;-). Etwas gestärkt brachen wir auf zu „dem“ Postkartenmotiv
von Korfu, dem Moni Vlacherna. Dem Hinweisschild nach Kanoni
folgend, erreichten wir über eine schmale Straße schließlich
das Kloster, das nur über eine Hafenmole Verbindung mit der Insel Korfu
hatte. Wer wollte, der konnte von hier aus Transferfahrten zur benachbarten
Mäuse-Insel machen (Namenserklärung: ähnelt aus der Luft der
Form einer Maus). Wir besichtigten aber nur den engen Innenhof des Klosters
und die kleine typisch griechisch-orthodoxe Kirche. Viel gab es nicht zu sehen
und so schlenderten wir außen um das Kloster herum. Direkt daneben entdeckten
wir im Meer die Landebefeuerung für die nahegelegene Landebahn des Flughafens,
als auch schon, zum Greifen nahe, dicht über unseren Köpfen ein
Flieger heranschwebte. Er war so tief, dass man sich schon fast Sorgen um
den Glockenturm des Klosters machen musste. Auf dem Weg zurück zu unseren
Fahrzeugen kamen wir noch bei einem Getränkestand vorbei. Dabei blieb
es dann aber auch, denn wir können jedem abraten, hier etwas zu kaufen;
die Preise waren reichlich überteuert. So ist das halt in der Nähe
von Touristenmagneten.
Inzwischen näherte sich die Sonne schon langsam dem Horizont und es war
nicht mehr ganz so heiß. Ein guter Zeitpunkt nach Kerkyra (Korfu-Stadt)
aufzubrechen. Da meine Freundin mit dem Auto
unterwegs war, brauchten wir ein freies Plätzchen ohne Parkverbot. Dies
war gar nicht so einfach zu finden bei dem Verkehr, zumal die Innenstadt hauptsächlich
aus Fußgängerzonen bestand. Der erste größere Parkplatz
an der neuen Burg war leider schon komplett besetzt. Also wuselten wir uns
weiter durch die vollen Straßen bis zum nächsten großen Parkplatz
in der Nähe des alten Hafens. Erstaunlicherweise war die Gebühr
gar nicht so hoch: 3€/Tag. Eine der letzten Parkmöglichkeiten dort
gehörte dann schließlich ihr. Mit dem Motorrad hatte ich etwas
weniger Probleme ;-). Kurz nach Sonnenuntergang betraten wir die schmalen
Gassen der Altstadt von Kerkyra. Immer wieder bemerkten wir, wie untypisch
für Griechenland der Baustil und Anstrich der Häuser war. Nicht
die Wandfarbe Weiß dominierte hier, sondern warme Ocker-Töne. Der
venezianische Einfluss vergangener Zeiten ließ sich nicht leugnen. Die
größtenteils gelbliche Beleuchtung der Laternen in den Gassen verstärkte
zusammen mit dem Restlicht der versunkenen Sonne noch die schöne Stimmung
eines warmen Sommerabends. Mittlerweile ging es schon auf 22:00 Uhr zu und
es herrschte ein reges Treiben in den vielen
Tavernen
und Geschäften, wobei aber leider in den Shops größtenteils
Souvenir- und Touristenartikel dominierten. Kleine typisch griechische Läden
mit Artikeln aus handwerklicher Herstellung oder dergleichen waren eher in
der Minderheit. Ruhiger als in den Gassen ging es auf den teilweise etwas
versteckt gelegenen Plätzen der Altstadt zu, auf denen viele Sitzgelegenheiten
der Tavernen zum Verweilen und Entspannen unter Palmen oder zwischen schön
bepflanzten Blumenkübeln einluden. Unser Hunger stellte sich leider erst
ein, als wir auf dem großen Platz am Rand der Altstadt und in der Nähe
der neuen Burg angekommen waren. Während des Essens wurden wir dort von
einer vielfältigen Geräuschkulisse begleitet: Zikaden sägten
in den Bäumen über uns, Autos und Mopeds fuhren um den Platz herum.
Nebenbei kamen noch Mädels mit einer Sammelbox an unserem Tisch vorbei,
nachdem sie mit brennenden Fackeln Kunststücke gemacht hatten. Kaum aufgegessen,
„flohen“ wir in die nahegelegene Burganlage, für die ab 19:00
Uhr kein Eintritt mehr verlangt wurde. Über eine Brücke, die einen
schmalen Kanal mit vielen am Rand vertäuten Booten überspannte,
gelangten wir in den Innenhof der Burg, in dem gerade eine kostenpflichtige
Folklore-Veranstaltung endete. Plötzlich strömten uns bestimmt über
100 Menschen entgegen.
So langsam merkten wir, wie anstrengend dieser Tag bis jetzt gewesen war,
zumal es schon auf 24:00 Uhr zu ging und wir noch einen recht weiten Rückweg
vor uns hatten. Also ging es durch die Altstadt, in der so langsam die Geschäfte
schlossen, zurück zu unseren Fahrzeugen. Bei der Rückfahrt fiel
uns auf, dass mittlerweile alle Tankstellen, auch die in Korfu-Stadt, geschlossen
waren. Würde der Spritvorrat des Motorrades noch reichen (unbekannte
Tankgröße, keine Anzeige)? Musste er jetzt wohl. Die Küstenstraße
war um diese Uhrzeit stockdunkel und es begegnete uns kaum ein Auto. Dies
änderte sich nur kurzzeitig in dem Disco-/Bar-Ort zwischen Pirgi und
Ipsos, wo plötzlich zahlreiche Nachtschwärmer die Straße bevölkerten.
So gegen 02:00 Uhr nachts kamen wir endlich in Acharavi an. Der Ort war jetzt
wie ausgestorben und nur ein Auto parkte noch auf der Hauptstraße. Als
wir das Hotelzimmer schließlich wieder erreicht hatten, fiel unser Blick
als erstes auf das Außenthermometer: es zeigte jetzt noch 31 Grad an.
Zum Schlafen war es irgendwie noch zu warm, und so ließen wir bei einem
Gläschen guten griechischen Rotwein den ereignisreichen Tag noch bis
ca. 03:30 Uhr Revue passieren.